Die Geschichte Sachsens


Stand: 26.05.2004 | suchen| impressum | feedback | home |

Die Bewohner des Freistaates Sachsen sind eigentlich gar keine Sachsen.

Was? Warum denn nicht?

Weil die "richtigen" Sachsen in Niedersachsen wohnen. Aber fangen wir am Anfang an:
Der germanische Stamm der Sachsen (abgeleitet wahrscheinlich vom einschneidigen Schwert, dem Sax) lebte im heutigen Holstein und im Norden des jetzigen Bundeslandes Niedersachsen. Das jetzige Sachsen-Anhalt gehörte zum Reich der Thüringer und der spätere Freistaat Sachsen war von sorbischen Stämmen besiedelt.

Zu Beginn des 5. Jahrhunderts wanderte ein Teil der Sachsen, gemeinsam mit Angeln und Jüten, nach Britannien aus. Daran erinnern noch heute Landschaftsbezeichnungen wie Wessex (Westsachsen), Sussex (Südsachsen) und Essex (Ostsachsen).
Gegen Ende des 8. Jahrhunderts wurden die Sachsen von den Franken erobert und in das Reich Karls des Großen eingegliedert. Nach dem Zerfall des Frankenreiches wurden die Sachsen wieder selbständig und erstarkten. Das Herzogtum Sachsen stellte im 10. Jahrhundert die deutschen Könige und Kaiser und der politische Mittelpunkt des Herzogtums wanderte in das nördliche Harzvorland. Den staufischen deutschen Königen war die Macht der Sachsen ein Dorn im Auge. Im 12. Jh wurden die sächsischen Herzöge geächtet und Sachsen wurde den brandenburgischen Askaniern übertragen. Sachsen zersplitterte in der Folge in viele Einzelterritorien, deren Großteil die Askanier (nunmehr Herzöge von Sachsen) wieder verloren. Kernland der Askanier blieb das Gebiet um Wittenberg, das nun "Sachsen-Wittenberg" genannt wurde. Eine besondere Bedeutung bekam das Herzogtum "Sachsen-Wittenberg", als damit die Kurwürde verbunden wurde (Goldene Bulle von 1356).

Fassen wir erst einmal zusammen: Die Sachsen wohnten weiterhin im Gebiet des heutigen Niedersachsen, nur ein paar "Angelsachsen" waren nach England ausgewandert. Das eigentlich nichtsächsische Gebiet um Wittenberg hatte den Namenszusatz "Sachsen-Wittenberg" bekommen.

Aber wer wohnte eigentlich im Gebiet um Dresden und Leipzig? Immer noch die Sorben?
Nein, das Deutsche Reich hatte dieses Gebiet erobert und 965 durch Kaiser Otto I. die Mark Meißen gegründet. Die neue Mark wurde hauptsächlich durch fränkische und niederländische Bauern kolonisiert. Der Wettiner Heinrich I. von Eilenburg wurde um 1100 vom König mit der Mark Meißen belehnt. Für die Teilnahme an den Hussitenkriegen erhielt der Wettiner Friedrich IV. der Streitbare am 6.Januar 1423 vom König das Herzogtum Sachsen-Wittenberg, da die Askanier ausgestorben waren. Die Wettiner gehörten nun als "Kurfürsten von Sachsen" zu den mächtigsten Fürsten Deutschlands, so daß man bald anfing, die Mark Meißen und Sachsen als eine Einheit anzusehen.

Um Verwechslungen mit dem "richtigen" Sachsen auszuschließen, wurden die an der Ober-Elbe liegende Mark Meißen "Obersachsen" genannt, während das an der Nieder-Elbe liegende Sachsen als "Nieder-Sachsen" bezeichnet wurde. Die Bezeichnung Obersachsen setzte sich jedoch nicht durch, sondern wandelte sich zu Sachsen.

Ergebnis: Die Sachsen heißen heute Niedersachsen und die Meißner werden Sachsen genannt. Elbaufwärts gewandert ist aber nur der Name. Die (Nieder-)sachsen sind in (Nieder-)Sachsen geblieben.

Die "richtigen" Sachsen mögen mir verzeihen, wenn ich auf diesen Seiten von Sachsen spreche, aber eigentlich die Mark Meißen und deren Bewohner meine. Dieser Name hat sich nun einmal durchgesetzt, wenn es auch historisch gesehen nicht richtig ist.

Ach ja, zur Geschichte ... Schauen Sie doch einfach mal zu den Wettinern, bis 1918 haben sie die sächsische Geschichte wesentlich mitgestaltet.



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