Herrscher und Politiker


Stand: 15.04.2004 | suchen| impressum | feedback | home |

August Bebel August Bebel (* 22.02.1840 in Köln-Deutz, † 13.08.1913 in Passugg)
Mitbegründer der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands und von 1892-1913 deren Vorsitzender.
Schloß sich 1861 in Leipzig der deutschen Arbeiterbewegung an und wurde 1867 Vorsitzender des Verbandes Deutscher Arbeitervereine. Mit Wilhelm Liebknecht, der ihm das marxistische Gedankengut nahegebracht hatte, gründete er im selben Jahr die Sächsische Volkspartei und 1869 die Sozialdemokratische Arbeiterpartei. Seit 1867 gehörte Bebel dem Reichstag an. 1872 wurde er wegen Hochverrats und Majestätsbeleidigung zu Festhaft verurteilt. Als 1890 das Sozialistengesetz fiel, war Bebel an der Ausarbeitung des "Erfurter Programms" der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands maßgeblich beteiligt. Unter seiner tatkräftigen Führung entwickelte sich die SPD bald zu einer Massenpartei.

August der Starke Friedrich August I. der Starke (* 12.05.1670 in Dresden, † 01.02.1733 in Warschau)
Wegen seiner legendären Kraft August der Starke genannt. Seit 1694 als Friedrich August I. Kurfürst von Sachsen und seit 1697 als August II. König von Polen. Trat, um König von Polen zu werden, zum katholischen Glauben über. Sehr bedeutend war sein Einfluß auf die kulturelle Entwicklung in Sachsen. Mit vielen Kulturdenkmälern ist sein Name als Auftraggeber verbunden. Auf seine Anweisung wurde 1710 die Porzellanmanufaktor in Meißen gegründet. 1722 begann die Neuorganisation und Erweiterung der Kunstsammlungen und die Vermessung der sächsischen Straßen. In dieser Zeit wurden auch die ersten Postmeilensäulen aufgestellt. Militärisch und wirtschaftlich hat er sich jedoch keine Verdienste erworben. Durch die hohen Kosten seiner Hofhaltung im Stile Ludwigs XIV. hinterließ er total zerrüttete wirtschaftliche Verhältnisse in Sachsen.

Walther Ulbricht Walther Ulbricht (* 30.06.1893 in Leipzig, † 1.8.1973 in Döllnsee bei Berlin)
Politiker
Der gelernte Tischler, seit 1912 Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD), gehörte 1919 zu den Gründungsmitgliedern der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). 1926 wurde er in den Sächsischen Landtag gewählt. Von 1928 bis 1933 war Ulbricht Reichstagsabgeordneter. Von den Nationalsozialisten steckbrieflich zur Fahndung ausgeschrieben, emigrierte er nach Paris, später nach Prag und Moskau.
1943 wurde er als Rundfunkpropagandist der Roten Armee an der Front eingesetzt. Der Mitbegründer des Nationalkomitees Freies Deutschland (NKFD) kehrte 1945 nach Deutschland zurück und organisierte den Wiederaufbau der KPD.
Als sich 1946 KPD und SPD zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) vereinigten, wurde Ulbricht stellvertretender Vorsitzender und auf dem III. Parteitag der SED (1950) Generalsekretär des ZK.
Zehn Jahre später wurde er Vorsitzender des Staatsrats (Staatsoberhaupt der Republik). 1970 geriet er in der Frage der Gestaltung der Beziehungen der DDR zur Bundesrepublik in Widerspruch zu einem Teil der Parteiführung und verlor die Unterstützung Moskaus. 1971 trat Walther Ulbricht aus "gesundheitlichen Gründen" von der Funktion des Ersten Sekretärs des ZK der SED zurück, blieb aber formell Vorsitzender des Staatsrats und wurde zum Ehrenvorsitzenden der SED ernannt.
Politisch entmachtet und vereinsamt starb Walter Ulbricht 1973.

Herbert Wehner Herbert Wehner (* 11.06.1893 in Dresden, † 19.06.1990 in Bonn-Bad Godesberg)
Politiker
Sein politischer Weg war so ungewöhnlich wie sein Wesen. Herbert Wehner wurde als Sohn eines Schuhmachers geboren. Nach einer Ausbildung zum Industriekaufmann trat er 1927 der KPD bei. 1929 wurde er Sekretär der Revolutionären Gewerkschaftsopposition, 1930 in Sachsen stellvertretender Sekretär der KPD, 1930/31 Mitglied des Landtages und stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Ab 1932 war er als "Technischer Sekretär" des Politbüros einer der ersten Mitarbeiter Ernst Thälmanns. 1933-35 arbeitete er im Untergrund für die verbotene KPD. Ab 1935 lebte er in Emigration und war ab 1937 in Moskau bei der Komintern tätig. 1942 wurde er in Schweden wegen der Gefährdung der schwedischen Neutralität zu einem Jahr Haft verurteilt.
Aus der KPD ausgeschlossen, vollzog er den endgültigen Bruch mit dem Kommunismus, kehrte 1946 nach Deutschland zurück, arbeitete als Redakteur in Hamburg und wurde Mitglied der SPD. Wehner gehörte bald zum engsten Kreis des SPD-Vorsitzenden Kurt Schuhmacher. Seit 1949 Mitglied des Bundestages, trug er maßgebliche Verantwortung für die Umwandlung der SPD in eine links von der Mitte stehende Volkspartei (Godesberger Programm) und setzte gegen den teilweise erbitterten Widerstand die Zustimmung zu Adenauers Nato- und Europapolitik durch. 1958-76 stellvertretender Parteivorsitzender, bereitete er die große Koalition zwischen SPD und CDU (1966-69) vor und wurde Minister für gesamtdeutsche Fragen. Wehner war leidenschaftlicher Parlamentarier. Im Bundestag hatte er seine großen Auftritte als Debattierer, er war wegen seiner scharfen Attacken und sarkastischen Zwischenrufe gefürchtet. Ab 1969 förderte er maßgeblich die Ostpolitik der sozialliberalen Koalition. Zusammen mit Helmut Schmidt und Willy Brandt bildete er 1969-83 als Fraktionsvorsitzender über viele Jahre die Führungstroika der SPD.

Clara Zetkin Clara Zetkin, geb. Eißner (* 05.07.1857 in Wiederau, † 20.06.1933 in Archangelskoje bei Moskau)
Die Frauenrechtlerin und Politikerin, im sächsischen Wiederau als Clara Eißner geboren, wurde im Lehrerinnenseminar von Auguste Schmidt, einer der Wortführerinnen der bürgerlichen Frauenbewegung, ausgebildet und studierte nach ihrer Heirat mit dem russischen Revolutionär Ossip Zetkin an der Sorbonne. Nach dem frühen Tod ihres Mannes kehrte sie nach Deutschland zurück, wo sie sich den Sozialdemokraten anschloß. 1891-1916 leitete sie die sozialdemokratische Frauenzeitschrift "Die Gleichheit". Als kompromißlose Kämpferin für die Sache der Frau war sie auch in den eigenen Reihen gefürchtet. Sie lehnte jede Zusammenarbeit mit der bürgerlichen Frauenbewegung ab, da für sie die Frauenproblematik aufs engste mit dem Klassenkampf verbunden war. Mit Entstehen der KPD wurde sie die Führerin der Kommunistischen Frauen und war 1920-33 Mitglied des Reichstages. 1932 mußte sie als dessen satzungsgemäße Alterspräsidentin die Schmähungen Goebbels über sich ergehen lassen. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten ging Clara Zetkin in die Sowjetunion, wo sie am 20. Juni 1933 starb.